Bergbaugeschichte

Bis zum 19. Jahrhundert

Die erste urkundliche Erwähnung des Bergbaureviers, aus dem später die Grube Clara hervorging, stammt aus dem Jahr 1652, als im Zug bergbaulicher Untersuchungen teils verfallene, teils noch offene tiefe Schächte am Benauer Berg nahe Wolfach entdeckt wurden.
Vermutlich reichen die ersten Abbaue bis in römische Zeit zurück und im frühen Mittelalter ist wohl ebenfalls Abbau auf Silbererzen betrieben worden. In der Neuzeit wurde der Abbau dann 1726 wieder aufgenommen, wurde aber bereits nach einem Jahr wieder eingestellt. Im Jahr 1769 wurde ein erneuter Versuch unternommen, nachdem in der Nachbarschaft auf der Grube Wenzel und Friedrich Christian ein erfolgreicher Abbau anlief. Doch schon 1782 wurde auch dieser Versuch wiederaufgegeben, da das Silber zu fein im Baryt verteilt war und darum eine Gewinnung unrentabel. Anfang des 19. Jahrhunderts versuchte es eine Englische Gesellschaft erneut, fand bei der Exploration aber keine abbauwürdigen Erze an.
Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Schwerindustrie nach Baryt verlangte, erinnerte man sich an die reichlichen Vorkommen im Benauer Berg. 1850 wurde die Förderung aufgenommen. Zwar wurden bis 1857 rund 1.300 Tonnen reiner Baryt gewonnen, doch lohnte der Aufwand nicht, nachdem die Preise am Rohstoffmarkt immer weiter verfielen.

Lage der Grube Clara im hinteren Rankachtal
Lageplan entnommen aus GLAS-SCHMELTZER - Mineralfundstellen, Bd.3: Baden-Württemberg

20. Jahrhundert

1898 begann dann die letzte Abbauperiode, die bis heute andauert. Zu den Gesellschaftern der seit 1904 unter dem Namen "Schwarzwälder Barytwerke GmbH" arbeitenden Spatmühle mit Aufbereitungsanlage gehörte die Fa Sachtleben, ein Lithophone- und Farbenhersteller. Größter Konkurrent der Schwarzwälder Barytwerke war die Gewerkschaft Michel in Hartenrod, Hessen-Nassau, die ebenfalls an Sachtleben lieferte. 1907 wurde die Gewerkschaft Michel von Sachtleben übernommen. Bei einer Zusammenkunft der Gesellschafter der "Schwarzwälder Barytwerke" wurde festgestellt, dass neben Louis Schulte aus Hagen, der seit 1905 die Leitung des Betriebs hatte, nur noch die Fa Sachtleben als Gesellschafter fungierte. Von da an nannte sich die Gesellschaft "Sachtleben Aktiengesellschaft für Bergbau und chemische Industrie, Abteilung Schwerspat Bergbau und Mahlwerke Wolfach (Baden)".
Bis in die fünfziger Jahre hinein wurde der Schwerspat vor allem auf den oberen fünf Sohlen gefördert, anfänglich auch noch im Tagebau. In diesen Bereichen gab es im bis zu 12 m mächtigen Barytgang zahlreiche bis zu hausgroße Hohlräume (Magazine), die mit gorßen Baryt- und Fluorit-Kristallen gefüllt waren. Allerdings war der Abbau in diesen Bereichen oft lebensgefährlich, da Gestein und Kluftletten sehr instabil waren.
Als die vorgerichteten Schwerspatvorräte Anfang der 50er zu Ende gingen, wurde ein Blindschacht bis auf die spätere 9. Sohle abgeteuft. In den 60-er Jahren begann dann der sogenannte "gleislose" Abbau mittels Schaufelladern und Bohrwagen. Daraufhin wurde 1973 die Übertagerampe aufgefahren, die mit 12 % Gefälle vom Niveau des Rankachtals bis ca 150 m darunter führt. Zwischen der 12. Sohle und der 9. Sohle (Rankachstollen) wurde die sogenannte Hauptwendel angelegt.
Seit 1974 wurde zunehmend der Abbau des Fluorits interessant, und seit 1978 wurden in der Aufbereitungsanlage der Sachtleben dann auch Flusspatkonzentrate gewonnen. Da der Flusspatgang parallel zum Barytgang streicht, wurde zum Abbau des Fluorits eine zweite, eigenständige Wendel angelegt.
VoM Juni 1976 bis zum Oktober 1977 wurde auf der 9. Sohle eine rund 30 m lange Barytkluft angefahren – mit den berühmten Karamellbraunen Meißelspäten, die den Ruhm der Grube Clara begründeten. Dazu kamen die Sekundärminerale im Bereich des Diagonaltrums.

Modell der Untertagesituation

Gegenwärtiger Abbau

Heute wird in der Grube Clara weiter vorwiegend Fluorit und Baryt abgebaut. Der Baryt geht in die chemische Industrie (zur Bariumsalz-Gewinnung), in die Papierindustrie (für schwere, hochglatte, reinweiße Papiere), in die Farbindustrie (als Grund- und Füllmittel), in die Autoindustrie (wichtiger Bestandteil der Schalldämmung), in die Bauwirtschaft (Herstellung von strahlendichtem Beton) und in die Medizin (Röntgenkontrastmittel). Der Fluorit wird ebenfalls von der chemischen Industrie z.B. zur Flusssäuresynthese, oder als Flussmittel in der Verhüttung von Erzen sowie bei der Herstellung von Glas gebraucht. Seit Dezember 1996 wird außerdem aus dem sogenannten Silberspat (Baryt mit hohem Silbergehalt) ein Silberkonzentrat hergestellt, aus dem in Belgien das Silber gewonnen wird.

Die Arbeit untertage bewegt sich zur Zeit auf der 15. Sohle. Die Spitze des Benauer Berges befindet sich bei ca 810 m m, die 15. Sohle befindet sich rund 500 m darunter. Geschätzt wird, dass das Bergwerk noch etwa 15-20 Jahre arbeiten kann, wenn sich am Weltmarkt nichts wesentliches ändert. Vorteil der Sachtleben ist die Nähe der Aufbereitungsanlage und das vorzügliche technische Verfahren, das es ermöglicht, auch kleine dosierte Mengen einer bestimmten Qualität bereitzustellen.

Wer sich über die Verarbeitung der abgebauten Rohstoffe kundig machen will, kann sich das über die Homepage der Fa. Sachtleben erschließen: www.sachtleben-bergbau.de.


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